
Die meisten Websites werden nicht schlecht, weil die Agentur schlecht war. Sie werden schlecht, weil niemand vorher wusste, wie so ein Projekt eigentlich abläuft – und deshalb an den falschen Stellen gespart, an den falschen Stellen diskutiert und an den entscheidenden Stellen zu spät entschieden wurde.
Dieser Artikel beschreibt den Ablauf, wie er in der Praxis aussieht: sechs Schritte, mit Zeitrahmen, Kosten und den Punkten, an denen es typischerweise klemmt.
Schritt 1: Klären, was die Website leisten soll (1 bis 2 Wochen, deine Arbeit)
Bevor du irgendjemanden anfragst, brauchst du eine Antwort auf eine einzige Frage: Was soll auf der Website passieren, das heute nicht passiert?
"Moderner aussehen" ist keine Antwort. Brauchbare Antworten klingen so:
- Wir wollen 20 qualifizierte Anfragen pro Monat statt aktuell 5.
- Bewerber sollen sich direkt bewerben können, statt eine E-Mail zu schreiben.
- Unsere Vertriebsmitarbeiter sollen bei Kunden auf die Website zeigen können, ohne sich zu schämen.
- Wir wollen Inhalte selbst pflegen, ohne jedes Mal die Agentur zu fragen.
Diese Antwort bestimmt fast alles Weitere: das Budget, das System, die Struktur, sogar das Design. Eine Website, die Bewerber gewinnen soll, sieht anders aus als eine, die Maschinen verkauft.
Wo es klemmt: Im Unternehmen gibt es drei verschiedene Vorstellungen, und alle drei kommen erst in der zweiten Designrunde auf den Tisch. Klär die Erwartungen intern, bevor du extern anfragst.
Schritt 2: Anfragen und Angebote vergleichen (2 bis 3 Wochen)
Frag drei Agenturen an, nicht zehn. Und gib allen dieselbe schriftliche Beschreibung – eine bis zwei Seiten reichen:
- Was ihr macht und an wen ihr verkauft
- Was die neue Website leisten soll (aus Schritt 1)
- Ungefährer Umfang: wie viele Seiten, welche Sprachen, welche Funktionen
- Was ihr an Material schon habt: Logo, Bilder, Texte, Farbwelt
- Wunschtermin und Budgetrahmen
Der Budgetrahmen ist der Punkt, den die meisten weglassen, weil sie fürchten, dann genau diesen Betrag angeboten zu bekommen. Das Gegenteil stimmt: Ohne Rahmen bekommst du Angebote, die um den Faktor zehn auseinanderliegen, und drei Termine, in denen alle Beteiligten aneinander vorbeireden.
Warum ein Angebot 4.000 Euro und eines 40.000 Euro kostet
Beide können korrekt kalkuliert sein. Der Unterschied liegt fast nie im Design, sondern im Drumherum:
| Kostentreiber | Kleines Projekt | Großes Projekt |
|---|---|---|
| Konzept und Struktur | Vorlage angepasst | Workshops, Nutzerinterviews, Seitenarchitektur |
| Design | Ein Entwurf, zwei Korrekturrunden | Designsystem für alle Seitentypen und Zustände |
| Texte | vom Kunden geliefert | Redaktion, Suchmaschinenoptimierung, Korrektorat |
| Technik | Standard-CMS, Standardfunktionen | Schnittstellen zu CRM, Warenwirtschaft, Bewerbertool |
| Umfang | 5 bis 8 Seiten | 60 Seiten, mehrsprachig |
| Nach dem Livegang | nichts | Schulung, Dokumentation, Betreuung |
Zur Einordnung der Stundensätze am deutschen Markt: Der Freelancer-Kompass 2026 weist für Software- und Webentwicklung einen Medianstundensatz von 90 Euro aus, erhoben unter 356 Befragten dieser Fachgruppe. Erfahrene Freelancer liegen damit meist zwischen 60 und 100 Euro, mittelgroße Agenturen bei 100 bis 180 Euro, spezialisierte Anbieter darüber. Ein höherer Stundensatz ist nicht automatisch teurer – wer eine Aufgabe in 12 statt 30 Stunden löst, ist am Ende günstiger.
Wo es klemmt: Angebote lassen sich nicht vergleichen, weil sie unterschiedliche Leistungen enthalten. Verlang eine Aufschlüsselung nach Positionen mit geschätztem Aufwand. Ein Pauschalpreis ohne Aufteilung ist nicht verhandelbar und nicht prüfbar.
Schritt 3: Konzept und Struktur (2 bis 4 Wochen)
Jetzt wird festgelegt, welche Seiten es gibt, was auf ihnen steht und wie Besucher von der Startseite zum Kontaktformular kommen. Das Ergebnis ist meistens eine Seitenübersicht plus grobe Layoutskizzen ohne Farben und Bilder – sogenannte Wireframes.
Diese Phase sieht am wenigsten nach Ergebnis aus und ist die wichtigste. Ein Designfehler kostet einen Nachmittag. Ein Strukturfehler kostet das halbe Projekt.
Wo es klemmt: Der Kunde will "endlich Bilder sehen" und drängt zur Designphase. Wer die Struktur überspringt, diskutiert später Grundsatzfragen an fertigen Layouts – der teuerste Zeitpunkt dafür.
Schritt 4: Design (3 bis 6 Wochen)
Üblich sind ein Entwurf der Startseite, danach zwei bis drei weitere Seitentypen, dann die restlichen Seiten auf Basis der abgestimmten Vorlagen. Zwei Korrekturrunden pro Entwurf sind Standard; alles darüber wird meist nach Aufwand berechnet.
Drei Regeln, die Designphasen kurz halten:
Eine Stimme. Sammelt Rückmeldungen intern und schickt sie gebündelt. Drei Personen mit widersprüchlichen Kommentaren erzeugen vier Korrekturrunden.
Begründen statt bewerten. "Das Blau gefällt mir nicht" ist eine Geschmacksfrage. "Das Blau ist nicht unser Firmenblau" ist eine Information. "Der Button geht auf dem Handy unter" ist ein Befund.
Frühzeitig auf dem Handy anschauen. Mehr als die Hälfte der Besucher kommt vom Mobiltelefon, und Google misst die Ladezeit getrennt nach Mobil und Desktop. Ein Entwurf, den man nur auf einem 27-Zoll-Bildschirm gesehen hat, ist halb geprüft.
Schritt 5: Umsetzung und Inhalte (3 bis 8 Wochen)
Parallel zur technischen Umsetzung müssen die Inhalte fertig werden. Genau hier bleiben die meisten Projekte liegen: Die Website steht seit drei Wochen, es fehlen 18 Produkttexte.
Klär deshalb früh, wer schreibt. Wenn du selbst schreibst, lass dir pro Seite sagen, wie viele Zeichen gebraucht werden und bis wann. Wenn die Agentur schreibt, plane Zeit für deine Fachprüfung ein – Texter können nicht wissen, wie eure Maschine funktioniert.
Wo es klemmt: Fehlende Bilder. Stockfotos sind schnell besorgt, eigene Fotos brauchen einen Termin mit einem Fotografen, und der hat in vier Wochen Zeit. Wer eigene Bilder will, muss das in Schritt 2 sagen, nicht in Schritt 5.
Schritt 6: Livegang und die Zeit danach (1 Woche plus laufend)
Vor dem Livegang gehört abgehakt: Weiterleitungen von allen alten Adressen auf die neuen, damit weder Besucher noch Suchmaschinen ins Leere laufen. Datenschutzerklärung und Impressum geprüft. Cookie-Banner korrekt eingestellt. Formulare getestet, inklusive der Frage, wo die Anfragen ankommen. Ladezeit gemessen. Darstellung auf mindestens drei Geräten geprüft.
Danach beginnt der Teil, an den beim Angebot niemand denkt: Wartung. Systemupdates, Backups, kleine Korrekturen. Rechne für eine normale Unternehmenswebsite mit 40 bis 250 Euro im Monat, je nach Umfang und Reaktionszeit.
Wo es klemmt: Ein Relaunch ohne saubere Weiterleitungen kostet regelmäßig einen erheblichen Teil der Sichtbarkeit bei Google. Das fällt erst nach vier bis sechs Wochen auf, wenn die Anfragen ausbleiben.
Wie lange dauert das alles?
Für eine mittlere Unternehmenswebsite mit 15 bis 30 Seiten: drei bis fünf Monate von der ersten Anfrage bis zum Livegang. Wer schneller sein muss, kann das erreichen – aber nur, indem er den Umfang reduziert, nicht indem er die Phasen verkürzt.
Der größte Zeitfresser ist in fast allen Projekten dieselbe Sache: Freigaben und Inhalte auf Kundenseite. Wenn du das Projekt beschleunigen willst, ist das die Stellschraube, nicht die Agentur.
Die kurze Auswahlhilfe
Nimm die Agentur, die im Erstgespräch die meisten Fragen zu deinem Geschäft gestellt hat und die wenigsten Aussagen über sich selbst gemacht hat. Das ist kein besonders elegantes Kriterium, aber es liegt erstaunlich oft richtig.
Quellen
Alle Angaben zuletzt geprüft am 8. September 2026.
- freelancermap: Stundensätze IT-Freelancer, Freelancer-Kompass 2026 – Medianstundensatz Software- und Webentwicklung, 356 Befragte in dieser Fachgruppe
- Google Search Central: Weiterleitungen und Google Suche – empfohlene Vorgehensweise beim Relaunch
- web.dev: Largest Contentful Paint (LCP) – Messung getrennt nach Mobil und Desktop
Die Preisspannen für Projekte, die Zeitangaben je Projektphase und die Wartungskosten sind Erfahrungswerte aus dem deutschen Agenturmarkt, keine erhobenen Daten.